<%@LANGUAGE="JAVASCRIPT" CODEPAGE="1252"%> Alles ueber Kinderstimmbildung: Rezension - Jacobsen et. al.: Chor:Klasse!

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Rezension

Rezension:

Petra Jacobsen, Silja Stegemeier, Silke Zieske
Chor:Klasse!

Andreas Mohr
Das Medienpaket "Chor:Klasse!"ist wirklich klasse!

Seit der Jahrhundertwende ist ein Aufbruch zu einem neuen Umgang mit der Kinderstimme zu beobachten, eine Abkehr von der unseligen und zum verkürzten Schlagwort „Wer singt, ist dumm“verkommenen Volksliedschelte der Nachkriegszeit und eine Besinnung auf die mit dem Singen verbundenen kulturellen Werte. Schon gleich in den ersten Jahren des 21. Jh. begannen unter der führenden Hand des Musikpädagogen Prof. Dr. Franz Riemer in Hannover die ersten zaghaften praktischen Versuche mit dem vokalen Musizieren in Grundschulkassen. Ein erster „Chorklassentag“an der Musikhochschule Hannover und der Praxisbericht „Chorklassen in Niedersachsen“(HMT Hannover 2005, Hrsg. Franz Riemer) folgten. Nun, nachdem ein ganzer Grundschulzyklus durchlaufen ist, legen die Autorinnen Petra Jacobsen, Silja Stegemeier und Silke Zieske ihre Erfahrungen in einem Medienpaket unter dem Titel „Chor:Klasse!“vor, bestehend aus einem Heft „Konzeption“, einem  didaktisch-methodischen Lehrerhandbuch „Handreichungen“, einer „Ampelkartei“zur Stimmbildung und einem Schülerheft „Portfolio“. 2009 sollen ein „Liederbuch“, eine „Liederkartei“und eine CD dazukommen.

Konzeption
Das Heft „Konzeption“erschien schon vor der Veröffentlichung des Medienpakets als erster Hinweis auf dieses neue Material und führt mit kurzen Statements, tabellarischen Übersichten und Ausschnitten aus dem Lehrerhandbuch in das pädagogische Konzept ein. Solange die „Handreichungen“noch nicht vorlagen, machte die Veröffentlichung neugierig, ließ allerdings wegen des fragmentarischen Inhalts doch sehr viele Fragen offen, so dass mit dem Heft allein nicht viel anzufangen war. Nun, da das Lehrerhandbuch erschienen ist, wird das Heftchen m. E. überflüssig.

Portfolio
Für die Schülerhand wurde ein Heft entworfen, in dem die Kinder ihre eigenen Lernerfolge niederlegen können. Von Klasse 1 bis 4 notieren die Kinder die Titel ihrer Lieblingslieder, ihre Stimmfortschritte und ihr Wissen über Musik. Interessant sind Seiten mit der Aufforderung: „Das will ich noch lernen“oder „Das haben wir gemeinsam erlebt“. Am Ende des Heftes befindet sich eine Urkunde, auf der bestätigt wird, wie lange das Kind in der Chorklasse gesungen hat. Der Begriff „Portfolio“wird explizit als „Leistungsmappe des Chorklassenschülers“bezeichnet.  Sie bestätigt dem Kind eine über vier Jahre andauernde intensive Beschäftigung mit dem Medium Stimme und quittiert dies als erarbeitete Investition.

Handreichungen
Mit dem Band „Handreichungen“ist den Autorinnen ein wirklicher „Wurf“gelungen. Hier liegt zum ersten Mal ein zusammenhängendes, alle vier Grundschuljahre umfassendes didaktisches Konzept vor, wie das Singen in der Grundschule nicht nur als Spaßfaktor eingesetzt werden kann, sondern wie man in konsequenter Aufbauarbeit in der Grundschule zu einem gesunden Umgang mit der Singstimme gelangt.
Zunächst legen die Autorinnen dar, auf welche Erfahrungen sie ihr Konzept stützen und stellen zwei unterschiedliche Modelle für Chorklassen vor, die in den letzten vier Jahren die Grundlage ihrer eigenen pädagogischen Arbeit bildeten.
Im Kapitel „Curriculare Aspekte“wird aufgezeigt, welche Kompetenzen ein vokal orientierter Musikunterricht vermitteln kann. Nach „Stimmbildung“, „Chorsingen“und „Hören & Musiktheorie“gegliedert lassen sich diese Disziplinen in den einzelnen Klassenstufen zu erlebbaren (und auch dokumentierbaren, d. h. abprüfbaren) Wahrnehmungen und Ergebnissen subsumieren. Diese in einzelnen Registern formulierten Kompetenzen sollten unbedingt in zukünftigen Schullehrplänen ihre Berücksichtigung finden.
Das wichtigste Kapitel der „Handreichungen“widmet sich ausführlich der Unterrichtspraxis, wieder unterteilt in „Stimmbildung“, „Chorsingen“und „Hörerziehung/Musiktheorie“. Hier wird eine große Fülle an didaktischem Material und vielfältigen methodischen Möglichkeiten ausgebreitet.
Für die Stimmbildung findet man viele bewährte und neue Übungen, wobei spielerische Ansätze überwiegen. Manche Spielanleitung oder Übung kommt einem beim Lesen bekannt vor –auch über die wenigen Beispiele hinaus, deren Quelle genannt ist. Hier wäre ein gründlicherer Quellennachweis ehrlicher gewesen.
Das stimmbildnerische Material ist präzise beschrieben, die Stimmgeschichten enthalten schöne Assoziationen und alle elementaren Maßnahmen sind sorgfältig angegeben. Kleine Unebenheiten stören: Der umgangssprachliche Tonfall bei „Ich ess gerne Cornflakes“, die unterschwellige Werbung bei „Maoam“oder bei der Puppe „Notella“, ungenaue oder missverständliche Formulierungen wie „Das Zwerchfell führt eine stark federnde Ausatmungsbewegung aus“oder „Je lauter man singt, desto mehr Luft wird ausgeatmet“.
Die dem Medienpaket beigegebene stimmbildnerische „Ampelkartei“ist grundsätzlich ein nützliches Hilfsmittel für den Unterricht, kann doch die Lehrkraft allein durch Zeigen der Bildkarte eine Übung angeben. Die Karten bestehen aus rotem, gelbem und grünem Karton, wobei Haltungsübungen rot, Atemübungen gelb und Stimmübungen grün markiert sind. Dem Kinderstimmbildner widerstreben diese strengen Unterscheidungen ein wenig, soll doch bei jeder stimmbildnerischen Handlung immer der Blick auf das Ganze gerichtet bleiben. Und ob die auch für die Kinder signalhafte farbliche Klassifizierung wirklich sinnvoll ist, möchte ich zumindest anzweifeln. Der inhaltliche Bezug zu den Ampelfarben erschließt sich mir nicht. Rot bedeutet „Halt“–aber ist Halt gleich Haltung? Gelb bedeutet „Achtung“–aber ist Atmung Achtung? Und grün signalisiert den Kindern „Gehen“–wo ist da das inhaltliche Äquivalent? Über die ästhetische Qualität der Zeichnungen auf den Karten kann man verschiedener Meinung sein. Mir persönlich sind sie zu comic-haft, aber den Kindern werden sie sicher gefallen.
Der Abschnitt „Chorsingen“enthält Methoden zum Erlernen, Üben und Gestalten von Liedern sowie Hilfen für das mehrstimmige Singen mit klaren pädagogischen Ansätzen und griffigen Hilfen. Dankenswerterweise formulieren die Autorinnen in aller Deutlichkeit, dass für jüngere Kinder das Zertrennen eines Liedes in Text, Melodie und Rhythmus keine geeignete Methode darstellt und dass das eigene Vorsingen ohne elektronische Verstärkung dem Abspielen von CDs und Kassetten vorzuziehen ist. Es werden eine Fülle von Ideen und Möglichkeiten aufgezeigt, so dass jeder Lehrende Anregungen genug erhält.
Im Abschnitt „Hörerziehung, Musiktheorie“wird in aller Kürze das System der relativen Solmisation und der Rhythmussprache mit „ta-titi-tao“vorgestellt und anschaulich erläutert. Natürlich kann ein Abschnitt in diesem Lehrerhandbuch kein Lehrbuch für Solmisation ersetzen, jedoch ist das Angebot an Übungen, Spielen und Liedern groß genug, um zunächst einmal damit anzufangen und sich später mit einem der im Handbuch genannten Werke weiterzubilden. Schlüssig zeigen die Autorinnen den Weg von der Solmisation zur Notenschrift auf und beschreiben ein sinnvolles Ziel innerhalb der vier Grundschuljahre, indem sie die herkömmliche Notation nicht verdrängen, wie es in manchen Grundschul-Lehrplänen zu lesen ist, sondern indem sie durch die Solmisation zielgerichtet auf die Notenschrift zusteuern.
Der Abschnitt enthält eine große Anzahl an praktischen Möglichkeiten, wie Solmisation im Singen verwendet werden kann, zeigt Einsatzmöglichkeiten am Lied auf und beschreibt Spiele und Geschichten zur Festigung des Tonvorstellungsvermögens. Übungen zur Dynamik, Bewegungsimprovisationen mit Dur und Moll und Hilfen zur Bewältigung der Brummerproblematik runden das reiche praktische Angebot ab.
Leider sind das Liederbuch, die dazugehörige Liederkartei und die CD noch nicht erschienen. Im Lehrerhandbuch wird an vielen Stellen aber schon mit den Liedern des Liederbuchs gearbeitet, so dass man wirklich gespannt auf die Sammlung sein kann.

Andreas Mohr

Petra Jacobsen, Silja Stegemeier, Silke Zieske
Chor:Klasse!
Medienpaket, bestehend aus:
Konzeptionsheft
Handreichungen
Ampelkartei
Meine Chorklassenzeit - Portfolio zum Medienpaket für Grundschulklassen
Edition Omega, Wolfgang Layer 2008

 

 

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