«Alles über Kinderstimmbildung» Newsletter
Nr. 3, Februar 2006
Liebe Interessenten und Mitstreiter für die gesunde Kinderstimme,
nach langer Pause komme ich endlich wieder dazu, einige Neuigkeiten in Sachen
Kinderstimme mitzuteilen und über einige Projekte zu schreiben, die
gerade veröffentlicht worden sind oder sich in Arbeit befinden.
Inhalt:
Symposium in Leipzig: 24. –26. Februar 2006
Neues Stimmbildungslied „Husten, Schnupfen“
Toni im Liedergarten NRW
Musikgarten für Babys
Liederbücher aus der Worpsweder Musikwerkstatt
und exklusiv für Bezieher des „Newsletters“:
ein kleines Passionslied für den Kinderchor „Es sungen
drei Engel ein süßen Gesang“.
4. Leipziger Symposium mit Workshop Kinder-
und Jugendstimme
Vom 24. bis 26. Februar 2006 findet das 4. Leipziger Symposium mit Workshop
Kinder- und Jugendstimme statt. Die Veranstaltung, die von Universität
und Musikhochschule getragen und von dem ehemaligen Thomaner Oberarzt Dr. Michael
Fuchs organisiert und geleitet wird, hat sich in den letzten Jahren zu einem
hochkarätigen Forum für alle Belange der Kinder- und Jugendlichenstimme
entwickelt und informiert in diesem Jahr mit wissenschaftlichen Fachvorträgen
und praktischen Workshops über das Thema: "Singen und Lernen -
Die Stimme in ihren Entwicklungsphasen“.
Neben einer Reihe von Fachmedizinern werden auch Stimmpädagogen und –wissenschaftler
referieren, z. B. Frau Prof. Maria Seeliger (Mannheim) über „Das
Musikerleben in den ersten Lebensjahren“, Prof. Dr. Peter Brünger über
die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zum Singen im Kindergarten: "Das
schadet mehr den Kindern als es nutzen würde..." und ich selbst mit „Wünschen
des Kinderstimmbildners an Qualifikation und Ausbildung von Erzieher/innen
und Grundschullehrer/innen“. Vier verschiedene Workshops werden je viermal
zeitgleich angeboten, so dass jeder Teilnehmer alle Workshops besuchen kann:
1. Das Musikerleben in den ersten Lebensjahren (Seeliger M
Mannheim)
Die Entwicklung der stimmlichen Fähigkeiten im Säuglings- und Kleinkindalter
steht im Verbund mit der gesamtpersönlichen Entwicklung. Besonders die
sozialen, affektiven, sensorischen und motorischen Fähigkeiten sowie die
Entfaltung des Selbstempfindens durchdringen sich gegenseitig. Ein Zusammenspiel
aller Bereiche ermöglicht ein harmonisches Musikerleben. Dabei ist die
Beziehung zur Bezugsperson bzw. zu den Bezugspersonen ausschlaggebend. Ist
in den frühen Lebensjahren jemand vorhanden, der für und mit dem
Kind singt, wird das Kind das Singen zum Leben gehörend entwickeln können
und als das Leben nährend wertschätzen lernen.
Im Vortrag erschließt die Referentin Aspekte des frühen Musikerlebens
und nennt Transfermöglichkeiten für die musikpädagogische Praxis.
Im Workshop werden praktische Beispiele aus den Eltern- Kind-Musikgruppen zum
Teil von der Referentin vorgestellt, zum Teil mit den Teilnehmern durchgeführt.
2. Die Bruststimmfalle und andere Katastrophen. Mit
Lied und Kanon zur gesunden Kinderstimme (Mohr A Osnabrück)
In diesem Workshop werden Materialien vorgestellt und Vorgehensweisen gezeigt,
wie mit Liedern, Spielen und Kanons Schwierigkeiten beim Singen-Lernen behoben
werden können. Richtige Atmung, klangschönes Singen, Vermeiden der
Registerdivergenz, saubere Intonation, präzise Artikulation und vieles
mehr lassen sich mit speziellen Stimmbildungsliedern trainieren. Die Kursteilnehmer
werden Stimmbildungsspiele, -lieder und -kanons für Kinder aller Altersgruppen
kennen lernen, deren Wirkmechanismen erfahren und Kriterien für die Beurteilung
stimmförderlicher Kinderlieder erhalten.
3. Von der Bedeutung vielfältiger ästhetischer Erfahrungen
für die Entwicklung der Singstimme (Metz J, Wartenberg C Leipzig)
Die Einheit von Musik-Bewegung-Stimme ist natürlicherweise im Kind vorhanden
und so der ureigene Weg eines musikalischen Arbeitens auf dieser Entwicklungsstufe.
Frühzeitig gemachte ästhetische Erfahrungen lassen die Singstimme
reicher werden und so sind auch in der Kinderstimmbildung grundlegende gesangstechnische
Fertigkeitenüber die Schulung der Vorstellungskraft und des Ausdrucksvermögens
besser zu entwickeln. Der Workshop soll durch Praxisbeispiele und theoretische
Exkurse die enge Verbindung von Elementarer Musikpädagogik und Kinderstimmbildung
aufzeigen.
Der besondere Reiz liegt hierbei in der Teamarbeit von Lehrenden und Studierenden
der Musikhochschule Leipzig mit Kindern der Freien Grundschule "Clara
Schumann" und dem mdr Kinderchor Leipzig.
4. Tonale Stimmtherapie für Kinder (Hermann-Röttgen
M Leonberg)
Der Workshop setzt sich zum Ziel, eine Einführung in die praktische Arbeit
mit der gestörten Kinderstimme zu leisten. In einem ersten Teil wird das
pädagogische Prinzip der therapeutischen Arbeit mit Kindern im Alter von
4 bis 8 Jahren erläutert und die Übungen der tonalen Stimmtherapie
im Hinblick auf die verschiedenen zu erarbeitenden Parameter - wie Indifferenzlage,
Resonanz, Stimmbandschluss, Lautstärke, Zwerchfelltiefstand etc. - gemeinsam
ausprobiert. In einem zweiten Teil ist angedacht, Kinder mit Stimmstörungen
zur Therapie einzuladen, um so die Arbeit unmittelbar demonstrieren zu können.
Wer sich für das Symposium interessiert, kann auf folgender Internetseite
alles Wissenswerte darüber erfahren und sich anmelden: http://www.uni-leipzig.de/~hnophono/
Neues Stimmbildungslied
Auf meiner Internetseite www.kinderstimmbildung.de/monat.htm finden
Sie ein neues Stimmbildungslied, dass diesmal besonders den Allerkleinsten
gewidmet ist: „Husten, Schnupfen“ist ein Klatschlied zum Trainieren
von Metrum und Rhythmus. Die einfache, aber rhythmisch animierende Melodie
erzieht zu präzisen Aktionen, wie sie im Kindergartenalter geübt
werden müssen.
Das Lied gehört zu einer Reihe neuer Stücke, die ich für ein
geplantes Buch über „Stimmförderung im Kindergarten“gemacht
habe. Das Buch untersucht alte und neue Kinderlieder auf ihre stimmbildnerischen
Qualitäten und will Erzieherinnen und Erziehern dabei helfen, die richtigen
Maßnahmen zum gesunden Singen im Kindergarten zu ergreifen.
Toni im Liedergarten NRW. Ein neues Unterrichtswerk
für Kleinkinder.
Der musischen Erziehung von Babys und Kleinkindern wird zurzeit erhöhte
Aufmerksamkeit geschenkt. Hartnäckige Hinweise auf das brachliegende Potential
dieser Altersgruppe von vielen Fachleuten seit ca. 15 Jahren tragen nun erfreuliche
Früchte. Es entstehen an vielen Stellen „Eltern-Kind-Singgruppen“und „Känguruhchöre“,
das “Musikgarten-Projekt“von Hohner/Schott wurde um den „Baby-Musikgarten“erweitert,
und nun legt der Sängerbund NRW und seine Sängerjugend ein ganzes
Unterrichtswerk für die Gruppe der 1 ½- bis 3 (4)-jährigen
Kinder vor. Gefördert vom NRW-Ministerium für Städtebau und
Wohnen, Kultur und Sport sowie dem Landesmusikrat NRW haben Michael Schmoll
und Heike Arnold-Joppich ein Mammutwerk gestemmt: „Toni im Liedergarten
NRW“ist zum Singen und Musizieren in Eltern-Kind-Singgruppen konzipiert
und wartet auf mit einem 111+1 Lieder umfassenden Liederbuch, einem weit über
300 Seiten starken Lehrerhandbuch im Ringordner, mit „Tonis Lieblingslieder-CD“,
der CD „Musik zum Tanzen und Ausruhen“und schließlich mit
Toni selbst, der lustigen Handpuppe, der die Herzen aller Kleinkinder zufliegen
werden.
Heike Arnold-Joppich stellt im Lehrhandbuch den pädagogischen Ansatz für
die Eltern-Kind-Singgruppen ausführlich, fachlich fundiert und gut lesbar
dar. Sie macht mit den Entwicklungsaspekten von Kleinkindern bekannt, zeigt
Möglichkeiten der stimmlichen Förderung auf, informiert über
Bewegung, Körpererfahrung und Tanz sowie über elementares Musizieren
mit Instrumenten. Planung und Vorbereitung der Gruppenstunden wird mit pädagogischer
Sorgfalt und dem Verantwortungsbewusstsein, dass „für die Kleinsten
das Beste gerade gut genug“ist, dargestellt. In 13 Beispielstunden vermittelt
die erfahrene Pädagogin eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten
des vorgestellten Materials.
Die Auswahl der Stücke im Liederbuch repräsentiert eine gute Mischung
aus traditionellen, volkstümlichen und neueren Kinderliedern, wobei zu
Recht auch anspruchsvollere Titel auftauchen. Wohltuend ist der Verzicht auf
allzu Modisches und solche Stücke, die eigentlich Lieder für Erwachsene über
Kinder sind. Auch prestigeverdächtige, komplizierte oder aufwändige
Begleitsätze findet man keine, der Notentext präsentiert sich durchweg
einstimmig und dankenswerterweise auch ohne Akkordbezeichnungen, so dass nicht
automatisch eine Gitarrenbegleitung impliziert wird. Alle Lieder stehen in
der richtigen Singlage. Sicherlich ist die Liederauswahl neben fachlichen Kriterien
auch sehr von persönlichen Vorlieben geprägt. So kann ich die Bevorzugung
der Lieder von Gerda Bächli nicht unbedingt teilen. Sie ist mit 12 Titeln
die am häufigsten vorkommende Einzelautorin. Demgegenüber findet
man nur 4 Titel von Arnold-Joppich selbst, schade.
Leider steht die weitaus überwiegende Mehrzahl der Lieder in Dur-Tonarten.
Moll-Lieder gibt es nur sehr wenige. Das ist bedauerlich, denn die Wichtigkeit
des frühen Umgangs mit verschiedenen Tongeschlechtern ist der Autorin
durchaus bewusst: „Die Erfahrung zeigt, dass Kinder, die bis zum Schuleintritt
fast ausschließlich Lieder in Dur kennen gelernt haben, später allergrößte
Schwierigkeiten haben, in Moll zu singen“(Lehrerhandbuch, S. 32). Bei
einer Neuauflage sollten neben den einzufügenden Moll-Liedern auch solche
in freierer Tonalität und mit ungewohnteren Tonfortschreitungen aufgenommen
werden.
Dem Unterrichtswerk sind zwei CDs beigegeben. Elf 4- bis 13jährige Kinder
singen eine Auswahl von „Lieblingsliedern“aus dem Liederbuch, blitzsauber
und mit gesunder, altersgerechter Stimmgebung, teilweise a cappella oder begleitet
von gut erfundenen, unaufdringlichen Arrangements ohne Aufwand und Schnickschnack,
Eine Demonstration gelungenen Kindersingens, wie sie erfreulicher nicht sein
kann. Auf der zweiten CD befinden sich Musikstücke zum „Tanzen und
Ausruhen“, eine bunte Mischung vorwiegend klassischer und folkloristischer
Musik aus aller Welt für die Gruppenstunden und zum häuslichen Genießen.
Allen, die mit Kindern der genannten Altersgruppe singen, sei dieses Unterrichtswerk
besonders ans Herz gelegt. Darüber hinaus kann „Toni im Liedergarten
NRW“für die dringend notwendige Diskussion über ein Curriculum
zur musischen Erziehung im Kindergarten wichtige Anregungen und Anstöße
liefern. Mit dieser Veröffentlichung ist ein wichtiger Schritt getan zu
einer neuen Verantwortlichkeit im Umgang mit dem Singen in unserer Gesellschaft.
Toni im Liedergarten NRW
Singen und Musizieren in Eltern-Kind-Gruppen
- Liederbuch. Zusammenstellung Heike Arnold-Joppich und Michael
Schmoll. Illustrationen: Ludwig Burandt
- Lehrerhandbuch von Heike Arnold-Joppich
- CD Tonis Lieblingslieder
- CD Tonis Lieblingslieder zum Tanzen und Ausruhen
Herausgeber;
Sängerbund Nordrhein-Westfalen e. V.
Gallenkampstraße 20
47051 Duisburg
geschaeftsstelle@sbnrw.de
Liederhefte aus dem Musikgarten-Projekt
Der Schott-Verlag stellte mir freundlicherweise einige Liederhefte aus dem
Musikgarten-Programm für meine Noten- und Bücherausstellung zur
Verfügung. Die Hefte enthalten Lieder, Tänze und Sprechverse, wie
sie in den Musikgarten-Kursen für Babys und für 1 ½- bis
3jährige Kinder verwendet werden.
Die Liederauswahl stellt von „Alle meine Entchen“und „Der
Mond ist aufgegangen“bis Bajuschki baju“und „Apportez moi
ma flute“eine bunte Mischung durch die Kinder- und Volkslieder dar, im
Baby-Musikgarten stärker international gehalten als in den Heften für
die Kleinkinder bis 3 Jahre, die nach Themen sortierte Lieder enthalten: „Tierwelt“, „Zu
Hause“und „Beim Spiel“. Zu allen Titeln sind kleine Spielhandlungen,
Bewegungsabfolgen oder andere Rezeptionsmöglichkeiten mitgeteilt, wie
Mütter/Väter mit Ihren Kindern beim Singen spielen können. Zu
jedem Heft gibt es eine CD. Die Kinderchöre singen zuweilen ein wenig
unrein, aber durchweg mit gesunder, klangschöner Stimmgebung in guter
Singlage (bei einigen Stücken höher als im Heft notiert!). Die kunstvollen
Begleitsätze sind erstklassig ausgeführt.
Insgesamt eine gute Sammlung, die auch Eltern, die nicht an den Musikgarten-Kursen
teilnehmen, wertvolle Anregungen und Hilfen zum Singen mit ihren Kindern geben
kann.
Liederbücher aus der Worpsweder Musikwerkstatt
Schon vor geraumer Zeit erhielt ich freundlicherweise eine Auswahl von Liederbüchern
aus der Worpsweder Musikwerkstatt (Wolfgang und Margarethe Jehn), auf die ich
gerne aufmerksam machen möchte:
Margarete und Wolfgang Jehn, Durch das Jahr. Autorenverlag
Worpsweder Musikwerkstatt 2002. ISBN 3-930536-57-9
- Margarete und Wolfgang Jehn, Sing mir was. Kinderlieder
aus aller Welt. Autorenverlag Worpsweder Musikwerkstatt 2000.
ISBN 3-930536-17-X
- Margarete und Wolfgang Jehn, Weihnachten kommt. Advents-
und Weihnachtslieder aus aller Welt. Autorenverlag Worpsweder
Musikwerkstatt 1997. ISBN 3-930536-29-3
- Margarete und Wolfgang Jehn, Das blaue Singbuch. Internationale
Lieder für gleiche Stimmen. Autorenverlag Worpsweder Musikwerkstatt1998.
ISBN 3-930536-30-7
- Margarete und Wolfgang Jehn, Der blaue Stern. Lieder
und Spiellieder aus aller Welt. Autorenverlag Worpsweder Musikwerkstatt
2003. ISBN 3-930536-59-5
Durchgehendes Motto aller fünf Liederbücher ist die Internationalität;
Lieder aus vielen verschiedenen Ländern, die Margarethe Jehn
mit deutschen Texten versehen hat. Die eigenen Lieder von Margarethe
und Wolfgang Jehn zeichnen sich nicht erst seit der berühmten „Moorhexe“durch
Kindern angemessene Texte und hohe musikalische Qualität bei
klarer, einfacher Struktur ohne modische Effekthascherei aus. „Das
blaue Singbuch“enthält mehrstimmige Stücke für
gleiche Stimmen in einfach singbaren, gut klingenden Sätzen
für zwei oder drei Stimmen.
Die Liederbücher stellen eine Fundgrube für alle dar, die jenseits
der neumodischen Liedermachermusik nach guten Kinderliedern Ausschau halten. Übrigens: www.jehnmusik.de ist
nicht nur die Internetseite mit Onlineshop für die Werke von M. und W.
Jehn, sondern enthält auch eine sehr lesenswerte Sammlung von Texten über
das Singen von Kindern in unserer Gesellschaft.
Es sungen drei Engel
Abonnenten erhalten hier einen versteckten Link auf meine Homepage, mit dem
Sie einen kleinen stimmbildnerischen Chorsatz über das Kirchenlied „Es
sungen drei Engel ein süßen Gesang“herunterladen können
(PDF-Datei, 65 KB). Der Chorsatz ist für vier gleiche Stimmen, wobei
eine Stimme das Kirchenlied enthält und drei weitere Stimmen dazu einen
Begleitsatz intonieren. Vielleicht kann die eine oder andere Chorleiterin
(Männer sind mit angesprochen) etwas mit dem Satz anfangen. Das Lied
gehört liturgisch in die Passionszeit, ist also für’s Einstudieren
zeitlich gerade richtig.
Noch eine kleine Information:
Mein „Handbuch der Kinderstimmbildung“erlebte im Jahr 2005 seine
6. Auflage. Ein herzliches Dankeschön an alle, die das Buch bisher gekauft
haben und –hoffentlich –viele Anregungen für ihre stimmbildnerische
Arbeit mit Kindern erhalten.
Soviel für diesmal. Ich hoffe, dass nicht wieder ein halbes
Jahr verstreichen muss, bis der nächste Newsletter erscheint.
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Mail an <info(at)kinderstimmbildung.eu> mit dem Betreff: Kein Newsletter. |