<%@LANGUAGE="JAVASCRIPT" CODEPAGE="1252"%> Alles ueber Kinderstimmbildung: Rezension - Trüün, "Sing Sang Song 1"

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Rezension

Friedhilde Trüün
Sing Sang Song I
Praktische Stimmbildung für 4 – 8-jährige Kinder in 10 Geschichten

Wenn der Untertitel des 2002 im Carus-Verlag, Stuttgart (Carus 24.018) veröffentlichen Heftes nicht detaillierteren Aufschluss gäbe, müsste man Unerfreuliches befürchten. Der Titel „Sing Sang Song“ irritiert in mehrerlei Hinsicht:
• Sind die drei Wörter mit stimmlosem s zu sprechen, so dass ein englischsprachiger Titel entsteht mit einer Art Konjugation des Wortes sing und dem fragwürdigen Ende auf dem Wort song, das auf einen zu vermutenden Inhalt der Veröffentlichung im Sin-ne von Liedern und Songs hinweist?
• Oder spricht man stimmhaftes s und disqualifiziert so den Inhalt des Heftes bereits im Titel als Singsang?
• Was aber soll dann der Leser mit einem Wort song anfangen, das mit stimmhaftem s gesprochen kaum einen vernünftigen Sinn ergibt?
Lässt man sich von dem allzu modisch geratenen Titel nicht gleich abschrecken und blättert weiter, wird man aufs angenehmste überrascht. Denn die zehn Geschichten, die Friedhilde Trüün hier vorlegt, zeugen in der Tat von einem „reichen Erfahrungsschatz fachlich kompetenter Anregungen zur stimmlichen Arbeit mit Kindern“, wie Professor Kurt Hofbauer in seinem Vorwort schreibt.
Gut gegliedert und die methodischen Schritte übersichtlich tabellarisch angeordnet zeigt die Autorin, wie Kinder spielerisch und aus ihrer Erlebniswelt heraus zum gesunden Singen geführt werden können. Die Themen der Geschichten knüpfen nahtlos an den Erfahrungshorizont von Kindern im angegebenen Alter (vier bis acht Jahre) an und fördern erfindungsreich deren Fantasie und Vorstellungsgabe.
Aufstehpantomime und der Weg zum Kindergarten ist ebenso vertreten wie die Begegnung mit verschiedensten Tieren im Zoo oder beim Besuch in der Arche Noah, Exotisch wird es bei dem Indianerfest Heijanganga und träumerisch im Schlaraffenland oder bei der nachtwandlerischen Begegnung mit Monino, dem Mondmännchen.
Trüün gliedert ihre stimmerzieherischen Absichten in drei Bereiche: Hinführung zum Körper, zur richtigen Atmung (Zwerchfellatmung) und zum Kennenlernen der Verschiedenartigkeit der eigenen Stimme. In allen Geschichten gibt die Autorin den Kindern reichlich Gelegenheit durch Bewegungs- und Atemspiele Erfahrungen mit dem körpereigenen Musikinstrument Stimme zu machen. Aus den Spielsituationen oder imaginierten Szenen der Geschichten werden zwanglos und häufig lautmalerisch treffend kleine Singübungen und Lieder entwickelt, die die angestrebte Klanglichkeit geschickt fördern. Dabei ist erfreulich festzustellen, dass die Lagen, in denen mit den Kindern gesungen wird, konsequent dem gesunden Umfang der Kin-derstimme entsprechen – mit der notwendigen Behutsamkeit bei der Erweiterung des Stimmumfangs nach oben und mit der zwingend erforderlichen Lautstärke-Disziplin bei dem Erreichen tieferer Lagen. Wer als Chorleiter so mit den ihm anvertrauten Kindern singt, wird einen entscheidenden Beitrag leisten zur Gesunderhaltung der Kinderstimme und die Stimmen der Kinder gegen viele Verführungen schützen können. Eine ganz kurze Einführung macht mit den Zielen der Autorin bekannt und gibt noch einige praktische Hilfen zur Präsentation der Geschichten.
Eines darf jedoch m. E. nicht verschwiegen werden: wer die Geschichten, wie die Autorin ausdrücklich vorschlägt, nur als Anregungen zu eigenen Erfindungen benützen will, benötigt dafür selbst ein profundes Wissen über Funktion und Besonderheiten der Kinderstimme und muss mit den stimmbildnerischen Materialien, Wirkungsweisen und Methoden gut vertraut sein. Sonst nützt die besterfundene „Verpackung“ nichts.
An einigen Formulierungen habe ich mich gestört. Die Unterscheidung von Bauchmuskulaturbewegungen und solchen des Zwerchfells ist mir zuweilen nicht genau genug und die den Plural benutzenden Registerbezeichnungen Bruststimmenlage oder Kopfstimmenbereich scheinen mir nicht sinnvoll. Auch liegt die Kopfstimme nicht oberhalb von d2, wie Trüün auf Seite 10 schreibt, sondern umfasst den gesamten Stimmumfang.
Sehr schön sind die vielfältigen Anregungen zu reflektorischen Einatmungsbewegungen, die in jeder Geschichte interessant variiert vorkommen sowie hübsch erfundene Formulierungen wie das Loch vor dem Ohr, mit dem die Gähnweite sich gut erspüren lässt.

Andreas Mohr

Friedhilde Trüün, Sing Sang Song. Praktische Stimmbildung für 4 – 8-jährige Kinder in 10 Geschichten
Stuttgart: Carus 2002 (Carus 24.018)

 

 

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